Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer – triftige Kündigungsgründe und was Sie noch beachten müssen

Eine fristlose Kündigung ist nicht nur von Arbeitgeberseite möglich. Auch der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, sich mit sofortiger Wirkung aus dem Arbeitsverhältnis zu lösen. Dabei sollten für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer jedoch einige Punkte beachtet werden. So ist eine zwingende Voraussetzung, dass ein wichtiger Grund für die außerordentliche Kündigung vorliegt.

Arbeitnehmer will fristlos kündigen – geht das?

Arbeitnehmer sind, ebenso wie Arbeitgeber, an den Arbeitsvertrag gebunden. Das bedeutet auch, dass sie die dort festgehaltenen Kündigungsfristen zu berücksichtigen haben. Für den Arbeitnehmer besteht zwar prinzipiell auch die Möglichkeit, fristlos zu kündigen. Wie bei der fristlosen Kündigung durch den Arbeitgeber, muss aber auch hier ein wichtiger Grund vorliegen, auf dem die Kündigung basiert. Die Grundlage hierfür bildet § 626 Absatz 1 BGB:

„Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann.“

Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer (© detailblick-foto / fotolia.com)
Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer (© detailblick-foto / fotolia.com)
An eine fristlose Kündigung sind also durchaus hohe Anforderungen zu stellen, es gibt in jedem Fall verschiedene Punkte zu beachten. So kann unter Umständen zunächst eine Abmahnung des Arbeitgebers erforderlich sein, bevor die fristlose Kündigung tatsächlich erfolgen kann. Hingegen gibt es auch Fälle, bei denen dem Arbeitnehmer nicht weiter zugemutet werden kann, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen, so dass eine fristlose Kündigung auch ohne Abmahnung wirksam sein kann, etwa bei einem tätlichen Angriff, oder wenn von dem Arbeitnehmer verlangt wird, an unsicheren Maschinen zu arbeiten. Will der Arbeitnehmer kündigen, weil ihm der Arbeitgeber wiederholt Gehalt schuldig bleibt, muss er diesem zunächst eine Frist zur Zahlung setzen. Erst nach erfolglosem Ablauf der Frist, ist eine Kündigung zulässig.

Weiterhin ist zu beachten, dass die Kündigung stets innerhalb von zwei Wochen erfolgen muss, nachdem der Arbeitnehmer Kenntnis von dem Kündigungsgrund erlangt hat. Dies verlangt § 626 Absatz 2 BGB: „Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt hat. Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen.“

Gründe für fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer

Die Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer können sehr vielseitig sein. Manch ein Arbeitnehmer möchte oder kann nicht die regulären Kündigungsfristen einer ordentlichen Kündigung abwarten, die immerhin mehrere Wochen oder gar Monate laufen können. Viele Arbeitnehmer möchten möglichst schnell aus ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis raus. Neben einem Aufhebungsvertrag bietet die fristlose Kündigung diese Möglichkeit. Denn Kündigungsfristen spielen hier keine Rolle, das Arbeitsverhältnis wird mit sofortiger Wirkung beendet.

Für eine solche fristlose Kündigung müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere muss ein schwerwiegender Kündigungsgrund vorliegen, der es dem Arbeitnehmer unmöglich macht, die reguläre Kündigungsfrist abzuwarten und so lange im Unternehmen zu bleiben. Als ein solcher können u.a. folgende Punkte gewertet werden:

  • Mobbing
  • sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
  • Arbeitgeber verlangt von Arbeitnehmer das Begehen einer Straftat
  • Vorgesetzter begeht Straftaten
  • Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz
  • das wiederholte Ausbleiben oder verspätete Zahlen des Gehalts

Letztlich wird es jedoch stets eine Einzelfallentscheidung seitens des Gerichts sein, ob der Grund als so schwerwiegend gewertet werden kann, dass er eine fristlose Kündigung rechtfertigt. Dabei gilt es, die beiderseitigen Interessen gegeneinander abzuwiegen.

Fachanwalt.de-Tipp: Arbeitnehmer sind gut damit beraten, möglichst aussagekräftige Beweise zu sammeln, die die Missstände am Arbeitsplatz beweisen und so die Gewichtung des Kündigungsgrunds zu unterstreichen.

Fristlose Kündigung wegen neuem Job

Damit eine fristlose Kündigung auch Bestand hat, muss ein schwerwiegender Kündigungsgrund vorliegen. Ein gewöhnlicher Jobwechsel wird hierfür als Begründung nicht ausreichen. Wer einfach nur seinen Job wechseln will, etwa, weil ihn in dem neuen Unternehmen bessere Karrierechancen oder ein höheres Gehalt erwarten, von dem kann verlangt werden, dass er sich an die regulären Kündigungsfristen hält. Denn von einem vertragswidrigen Verhalten des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer, das eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde, ist in einem solchen Fall nicht auszugehen.

Fachanwalt.de-Tipp: Potentiellen neuen Arbeitgebern, die den Bewerber damit unter Druck setzen, dass sie von ihm verlangen, dass er sofort bei ihnen anfängt, könnte man unter Umständen Verleitung zum Vertragsbruch unterstellen. Denn auch dem neuen Arbeitgeber muss bewusst sein, dass es geltende Kündigungsfristen zu beachten gibt. Arbeitnehmer sollten hier Vorsicht walten lassen. Wer seinen bisherigen Arbeitgeber schnellstmöglich verlassen möchte, um anderweitig ein Arbeitsverhältnis zu beginnen, sollte ihn um einen Aufhebungsvertrag bitten.

Kündigung durch Arbeitnehmer wegen Krankheit

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer wegen Krankheit ist möglich. Wichtig ist in jedem Fall, dass entsprechende ärztliche Attests und Bescheinigungen vorliegen, aus denen hervorgeht, dass die Arbeitsbelastungen für die Dauer der regulären Kündigungsfrist nicht mehr zumutbar wären, der Arbeitnehmer also aus gesundheitlichen Gründen das Arbeitsverhältnis sofort beenden muss.

Muster - Kündigungsschreiben für Arbeitnehmer

§ 623 BGB verlangt die Schriftform der Kündigung. Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer kann nach folgendem Muster aufgebaut sein, das dem Einzelfall entsprechend individuell angepasst werden kann.

Name und Adresse Arbeitnehmer
Name und Adresse Arbeitgeber
                                                                                                                                 Ort/Datum
Betreff: Fristlose Kündigung des Arbeitsvertrags vom xx

Sehr geehrte/r Frau/Herr,

hiermit kündige ich den mit Ihnen am xx geschlossenen Arbeitsvertrag fristlos zum xx.
Ich sehe mich dazu gezwungen, die Erfüllung meiner arbeitsvertraglichen Pflichten mit sofortiger
Wirkung einzustellen, aufgrund …. (hier den genauen Kündigungsgrund einfügen).

Ich bitte um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses sowie um die zeitnahe
Ausbezahlung meiner noch ausstehenden Überstunden und des Resturlaubs.

Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift Arbeitnehmer

Sie können hier ein Muster einer fristlosen Kündigung (für Arbeitnehmer) als Word-Dokument herunterladen

Nachteile fristloser Kündigung

Folgen fristloser Kündigung (© photography by mk / fotolia.com)
Folgen fristloser Kündigung (© photography by mk / fotolia.com)
Es ist stets ratsam, sich als Arbeitnehmer zunächst an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu wenden und mit diesem die geplante fristlose Kündigung zu besprechen. Denn dieser Schritt kann einige Konsequenzen für den Arbeitnehmer mit sich bringen. Nicht jeder Arbeitgeber etwa wird eine fristlose Kündigung einfach so hinnehmen, sondern den Fall vor Gericht klären lassen. Zudem muss dem Arbeitnehmer bewusst sein, dass es zu keiner weiteren Lohnzahlung kommt und unter Umständen auch eine Sperre beim Arbeitslosengeld für 12 Wochen eintritt, da der Arbeitnehmer seine Arbeitslosigkeit quasi selbst herbeigeführt hat. Auch eine Verkürzung des Arbeitslosengeldanspruchs ist möglich.

Zu einer solchen Kürzung kommt es aber dann nicht, wenn der Arbeitnehmer aus wichtigem Grund gekündigt hat. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann hier die genaue Prüfung des Kündigungsgrundes im Vorfeld übernehmen. Nicht genommene Urlaubstage verfallen durch die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers im Übrigen nicht. Generell lassen sich nicht genommene Urlaubstage nicht in Geld auszahlen, eine Ausnahme hiervon gibt jedoch § 7 Absatz 4 Bundesurlaubsgesetz vor: „Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.“ Bei einer rechtlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist eine Auszahlung der restlichen Urlaubstage in Geld möglich.




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