Wie sind die Rechte und Pflichten von Azubis in der Ausbildung? – ein Überblick

Wenn junge Menschen ihren ersten Vertrag unterschreiben, ist das ein Schritt in eine neue Welt. Oft ist es der erste Meilenstein einer spannenden Karriere. Da ist es besonders wichtig, dass alles gut geregelt ist. Ein Ausbildungsvertrag ist ein Regelwerk auf Gegenseitigkeit. Rechte und Pflichten Azubi stehen ebensolchen des Arbeitgebers gegenüber. Mit diesem Artikel wird ein allgemeiner Überblick über diese Thematik gegeben.

Regelung der Rechte und Pflichten von Azubis im Arbeitsrecht

Rechte und Pflichten Azubi (© bluedesign / fotolia.com)
Rechte und Pflichten Azubi (© bluedesign / fotolia.com)
Im Arbeitsrecht sind die gesetzlichen Grundlagen definiert, an die sich ein Ausbildungsbetrieb ebenso zu halten hat, wie der Auszubildende. An erster Stelle steht das Berufsausbildungsgesetz (BBiG), gefolgt vom Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbschG).

Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag

Um einen Ausbildungsvertrag zu schließen, bedarf es zweier Voraussetzungen:

  • es handelt sich um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf
  • der Ausbildungsbetrieb hat das Recht und die Befähigung zur Ausbildung von Azubis

Jeder Ausbildung liegt ein gültiger Ausbildungsvertrag zugrunde. Er wird vom Arbeitgeber und dem Azubi (bei Minderjährigen die gesetzlichen Vertreter) unterzeichnet.

Die Funktion dieses Vertrages ist die schriftliche, gesetzeskonforme Absicherung der Rechte und Pflichten zwischen Arbeitgeber und Auszubildendem.

Ein Ausbildungsvertrag muss als Mindestvoraussetzung folgende Angaben enthalten (§11 BBiG, Vertragsniederschrift):

  • den Beruf, der erlernt werden soll und die Ziele der Ausbildung
  • Beginn und Ende der Ausbildung
  • Regelungen der Berufsschule (außerbetriebliche Maßnahme)
  • Arbeitszeitregelung
  • Dauer der Probezeit
  • Vergütung der Ausbildung (Sachleistungen, Entgeltfortzahlung, Kleidung)
  • Urlaubsregelungen
  • Außerordentliche Kündigung des Ausbildungsvertrages (Fristen, Formen, Anlässe)
  • Mitgeltende Vorschriften und Regelungen (Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Betriebsordnung)

Besondere Inhalte von Ausbildungsverträgen sind nichtig, wenn sie untenstehende Vereinbarungen enthalten (§12 Abs. 2 BBiG):

  • Festlegung einer Entschädigung für die Berufsausbildung
  • Vertragsstrafen
  • Ausschluss oder Beschränkung von Schadenersatz
  • Schadensersatz in Form eines Pauschalbetrages

Eine Beschränkung der beruflichen Tätigkeit nach der Ausbildung ist ebenfalls unzulässig und nichtig. Das gilt dann nicht, wenn der Azubi in den letzten sechs Monaten seiner Ausbildung die Absicht äußert, ein Arbeitsverhältnis mit dem Ausbildungsbetrieb einzugehen (§11 Abs. 1 BBiG).

Pflichten eines Azubis

Die Pflichten – sofern sie die Ausbildung betreffen – sind im Ausbildungsvertrag geregelt. In weiten Teilen seines Ausbildungsverhältnisses werden diese Pflichten auch von der geltenden Betriebsordnung, der Betriebsvereinbarung und geltenden Tarifverträgen bestimmt.

Gegenüber dem Ausbildungsbetrieb

Der Ausbildungsbetrieb unternimmt einige Anstrengungen um den Azubi künftig als fachlich und persönlich kompetenten Arbeitnehmer im Betrieb und in der Arbeitswelt zu integrieren. Welche Pflichten lassen sich gegenüber dem Ausbildungsbetrieb ableiten:

  • Jeder Azubi verpflichtet sich am Ziel der Ausbildung mitzuarbeiten. Der Betrieb kann Protokolle und Berichte über Inhalte und erworbene Fertigkeiten verlangen.
  • Die Anordnungen und spezifischen Vorgaben des Arbeitsschutzes müssen eingehalten werden. Dazu zählt das Rauchverbot ebenso wie bspw. das Tragen von Sicherheitskleidung.
  • Arbeitskleidung, Werkzeug und anderes Material muss sorgfältig und schonend behandelt werden. Vor allem darf es nur für die Zwecke eingesetzt werden, für die es vorgesehen ist. Die Möglichkeit der privaten Verwendung ist ausgeschlossen.
  • Alle Interna des Betriebes über Personal, Produkte, Markt und Strategie gelten als vertrauliche Informationen. Sie dürfen nicht an Personen außerhalb des Betriebes weitergegeben werden.
  • Eine Erkrankung ist dem Ausbildungsbetrieb umgehend zu melden, ab dem dritten Tag ist eine Arztbescheinigung vorzulegen (gilt auch für die Berufsschule).

Gegenüber der Berufsschule

Die Berufsschule ist im dualen System Teil der Ausbildung. Es besteht daher die Verpflichtung am Unterricht teilzunehmen. Der Schulbesuch ist mit Arbeitszeit gleichzusetzen.

Rechte eines Azubis gegenüber dem Ausbildungsbetrieb

Der Schutz der Jugend und der Wunsch nach fachlich und persönlich kompetenten Mitarbeitern ist die Basis der Ausbildung. Aus den Pflichten des Betriebes, um diese Ziele zu erreichen, lassen sich auch die Rechte des Auszubildenden ableiten.

Recht des Azubis auf angemessene Vergütung

Die „angemessene Vergütung“ ist ein nachvollziehbares Recht. Es betrifft nicht allein die Zeiten im Betrieb, sondern auch die Phasen der schulischen Ausbildung und während des Urlaubs. Die „Angemessenheit“ wird in den geltenden Ausbildungs- und Tarifverträgen geregelt (§17 BBiG).

Freistellung für Ausbildungsmaßnahmen / Berufsschulunterricht

Falls schulische Aktivitäten es erfordern, hat der Betrieb den Auszubildenden dafür freizustellen (Entgeltfortzahlung).

Verfolgung des Ausbildungsziels

Der Azubi hat das Recht auf die Vermittlung von Kenntnissen, die zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind (§14 Abs. 1 BBiG). Dieses Ziel ist planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert durchzuführen. Die Erreichung innerhalb der vorgesehenen Ausbildungszeit ist sicherzustellen.

Wochenarbeitszeit

Offiziell leisten Azubis keine Überstunden. Ihre Arbeitszeit als Jugendlicher beträgt 40, als Erwachsener 48 Wochenstunden. Für Jugendliche gelten die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Kostenlose Ausbildungsmittel

Der Ausbildungsbetrieb hat notwendige Ausrüstung, Werkzeuge und Materialien zur Verfügung zu stellen. Besonderes Augenmerk ist dabei auf den Aspekt der „Allgemeinen Schutz- und Fürsorgepflichten“ gelegt (§ 617 ff. BGB).

Kündigungsrecht von Azubis

Auszubildende unterliegen einer besonderen Kündigungssituation (§ 22 BBiG). Eine Kündigungsfrist von nur vier Wochen soll sie nicht daran hindern, die Ausbildung zu beenden und sich anderweitig zu orientieren. Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit, ohne Kündigungsfrist, beendet werden.

Anspruch auf ein Zeugnis

Anspruch auf ein Zeugnis (© eyezoom1001 / fotolia.com)
Anspruch auf ein Zeugnis (© eyezoom1001 / fotolia.com)
Jeder Auszubildende hat den Anspruch auf ein einfaches oder qualifiziertes Zeugnis nach Abschluss der Ausbildung (§ 16 BBiG). Es bedarf der Schriftform und die elektronische Form ist ausgeschlossen. Im Bedarfsfall ist es vom Ausbilder zu unterzeichnen. Es enthält Angaben über Art, Dauer und Ziel der Ausbildung und beschreibt die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse. Falls der Auszubildende es verlangt können auch Angaben über Verhalten und Leistung aufgenommen werden.

Bildung einer Jugend- und Auszubildendenvertretung

Das Betriebsverfassungsgesetz (§60 BetrVG) sieht die Errichtung einer Jugend und Auszubildenden-Vertretung vor, wenn

  • mindestens 5 Arbeitnehmer das unter 18 Jahren
  • oder sie zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind unter 25 Jahren

Diese Ausbildungsvertretung wird vom Betriebsrat in alle Angelegenheiten einbezogen, die minderjährige Arbeitnehmer betreffen

Recht auf Auslandseinsatz von Auszubildenden

Ein Teil der Ausbildung kann auch in Form eines Auslandseinsatzes geleistet werden. Dieses Recht wird, da es keinen Rechtsanspruch gibt, im Arbeits- und Ausbildungsvertrag festgehalten.

Pflichten des Ausbildenden

Ausbildende unterliegen besonderen Verpflichtungen. Sie unterweisen junge Menschen und legen damit den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft:

  • Vermittlung der Kenntnisse und Fertigkeiten des Ausbildungsberufes und Sicherstellung, dass der Azubi das Ausbildungsziel erreichen kann
  • Aufsicht, Fürsorge und Schutz vor gesundheitlichen und sittlichen Gefahren. Der Ausbildungsbetrieb hat den Azubi bei den gesetzlichen, sozialen Versicherungen anzumelden (Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung). Die Kosten sind zu 100% vom Arbeitgeber zu tragen.
  • Der Ausbilder hat dafür zu sorgen, dass alle Arbeitsmittel, Materialien und Werkzeuge, die bei der Ausbildung benötigt werden, zur Verfügung stehen. Dies gilt auch für die Zeiten der Berufsschulausbildung.

Folgen der Verletzung von Rechten und Pflichten

Wenn der Auszubildende seine Pflichten verletzt, dann sind als rechtliche Mittel die Abmahnung und Kündigung definiert.

Die Kündigung ist im §22 BBiG geregelt. Die Folge einer Pflichtverletzung kann die Kündigung des Ausbildungsverhältnisses sein. Wenn es sich um Jugendliche handelt muss die Aufhebung und Kündigung den Erziehungsberechtigten zugestellt werden.

Desgleichen kann der Auszubildende das Ausbildungsverhältnis (fristlos) kündigen, wenn der Ausbildungsbetrieb Rechte verletzt oder Pflichten nicht nachkommt:

  • häufiger Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz
  • häufige Übernahme ausbildungsfremder Tätigkeiten
  • sexuelle Belästigung, körperliche Gewalt
  • nicht abgegoltene Überstunden oder Mehrarbeit
  • unzureichende Vermittlung der Ausbildungsinhalte
  • kein definierter Ausbilder

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht sollte bei allen Fragen rund um Kündigung und Beendigung des Arbeitsverhältnisses beigezogen werden.

Fachanwalt.de-Tipp:Wenn aufgrund der Auftragslage und anderen betriebsinterner Umstände, die Leistung von Überstunden durch Azubis notwendig ist, dann müssen sie in jedem Fall dem Ausbildungszweck dienen. Überstunden müssen durch Vergütung oder Freizeit ausgeglichen werden. Sogenannte „Minusstunden“ dürfen einem Azubi nicht angerechnet werden. Wird er vom Ausbilder frühzeitig nach Hause geschickt, ist das bezahlte Freistellung.



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