Kündigung wegen Krankheit vortäuschen ist möglich

Wird ein gewünschter Urlaub nicht bewilligt, sieht sich so mancher Arbeitnehmer zu fragwürdigen Mitteln verleitet, um dennoch in den Genuss arbeitsfreier Zeit zu kommen. Ganz nach dem Motto „Dann bin ich morgen eben krank“ wird eine Krankheit vorgetäuscht. Arbeitnehmer sollten sich hier aber bewusst sein, dass sie mit gravierenden arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben, denn auch eine Kündigung wegen des Vortäuschens einer Krankheit ist möglich.

Krankheit Simulieren und vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit

Wer unverschuldet krank wird und nicht arbeiten kann, hat im Krankheitsfall Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit erfolgt die Entgeltfortzahlung bis zur Dauer von sechs Wochen, entsprechende Regelungen finden sich im Entgeltfortzahlungsgesetz.

Den Arbeitnehmer trifft jedoch die Pflicht, sich beim Arbeitgeber arbeitsunfähig zu melden und auch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit mitzuteilen. Bei einer länger als drei Kalendertage bestehenden Arbeitsunfähigkeit, muss eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden.

Wenn der Arbeitnehmer seine Krankheit nur vortäuscht, begeht er eine schwerwiegende Pflichtverletzung und stört das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber derart, dass sowohl eine ordentliche wie auch außerordentliche Kündigung in Frage kommen.

Wie kann der Arbeitgeber reagieren?

Krankheit vortäuschen: Kündigung droht (© ehrenberg-bilder / fotolia.com)
Krankheit vortäuschen: Kündigung droht (© ehrenberg-bilder / fotolia.com)
Hat der Arbeitgeber begründete Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters, ist dieser dazu verpflichtet, sich einer Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen zu unterziehen. Veranlasst wird eine solche Überprüfung durch den Arbeitgeber.

Droht ein Mitarbeiter bei Urlaubsverweigerung damit, sich dann eben krank zu melden, kann das als widerrechtliche Drohung und Nötigung gewertet werden. Dazu muss sich der Arbeitnehmer dem Verdacht ausgesetzt sehen, seine Rechte aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz zu missbrauchen, um sich einen unberechtigten Vorteil zu verschaffen.

Im Falle von Lohnbetrug aufgrund von betrügerisch erschlichener Lohnfortzahlung, kommt auch eine Strafanzeige in Frage.

Fachanwalt.de-Tipp: Auch wenn Arbeitgeber Interesse daran haben, können sie nicht vom Arbeitnehmer verlangen, Fragen zum Grund der Krankheit zu beantworten. Schließlich gibt auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung keine Auskunft über die tatsächlich diagnostizierte Krankheit.

Fristlose Kündigung wegen Krankheit vortäuschen als Folge

Wer nicht krank ist und sich dennoch arbeitsunfähig krank meldet riskiert seine Kündigung. Legt der Arbeitnehmer jedoch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, wird es der Arbeitgeber in der Regel schwer haben mit ihrer Behauptung, der Arbeitnehmer sei gar nicht wirklich krank. Denn damit überhaupt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden kann, gelten für die Kassenärzte hohe Anforderungen, die durch die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien festgelegt werden.  Einem Arbeitsunfähigkeits-Attest kommt also ein hoher Beweiswert zu.

Beauftragung eines Detektives

Es ist dann Sache des Arbeitgebers, entkräftende Umstände anzuführen. Hierzu kann er auch einen Detektiv beauftragen. Arbeitnehmer können den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch selbst zerstören. Etwa, indem sie ihr Blaumachen im Vorfeld ankündigen oder in dem sie während der Krankschreibung anderen Tätigkeiten nachgehen, zum Beispiel Renovierungsarbeiten vornehmen oder für einen anderen Arbeitgeber arbeiten.

Aufgabe des Gerichts der Auseinandersetzung mit dem Attest

Es ist jedoch stets Aufgabe des Gerichts, sich inhaltlich mit dem Attest auseinanderzusetzen, dazu gehört auch die Ärzte als Zeugen zu der von ihnen vorgenommen Krankschreibung zu vernehmen. Auch, wenn ein Arbeitnehmer während seiner Krankschreibung anderweitig Tätigkeiten ausübt, kann er dennoch objektiv krank sein, ein Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit kommt dann aber nicht in Frage.

Was ein Arbeitnehmer während seiner Krankschreibung an unbedenklichen Tätigkeiten ausüben kann, sollte er mit seinem Arzt besprechen und sich am besten schriftlich bestätigen lassen. In jedem Fall hat sich der krankgeschriebene Arbeitnehmer so zu verhalten, dass er eine baldige Genesung fördert und die Arbeit wieder aufnehmen kann. Tätigkeiten, die seine Genesung verzögern können, hat er zu unterlassen.

In einem Fall hatte des Bundesarbeitsgerichts mit einem Kündigungsschutzprozess zu tun, bei dem es um die Äußerung des Arbeitnehmers ging. Dieser kündigte dem Arbeitgeber gegenüber an, krank zu werden, obwohl er zum Zeitpunkt der Ankündigung nicht krank war oder sich krank fühlte.

Das Gericht sah hier einen wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung gegeben. Eine Abmahnung war entbehrlich, da es zu einem besonders starken Bruch des Vertrauensverhältnisses zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber kam.

Fachanwalt.de-Tipp: Grundsätzlich kann in einem solchen Kontext auch immer ein Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzugezogen werden.



Ihre Spezialisten
INHALTSVERZEICHNIS

TOOLS
TOP LINKS

Gratis-eBook „Fachanwalt finden“


Alle Infos zur Fachanwaltssuche!
Informationen und Tipps zur Fachanwaltssuche!

  • Was ist ein Fachanwalt?
  • Wichtige Infos zu Anwaltskosten, Beratungshilfe!
  • Kostenlos als PDF-Download