Wann droht Arbeitnehmern eine Abmahnung wegen Rauchens bei der Arbeit?

Das Thema Rauchen am Arbeitsplatz schafft immer wieder Diskussionsbedarf. Fraglich ist daher, welche Vorgaben durch das Arbeitsrecht diesbezüglich bestehen, nicht zuletzt auch, um nichtrauchende Mitarbeiter nicht zu benachteiligen, und wann mit einer Abmahnung wegen Rauchens bei der Arbeit zu rechnen ist.

Gründe für eine Abmahnung wegen Rauchens

Rauchverbot am Arbeitsplatz (© bilderzwerg / Fotolia.com)
Rauchverbot am Arbeitsplatz (© bilderzwerg / Fotolia.com)
Der regelmäßige Drang, zur Zigarette greifen zu müssen, wird von vielen Rauchern als willkommener Anlass für einen kurzen Gang vor die Tür genutzt. Doch wie handhabt das Arbeitsrecht solche Raucherpausen? Schließlich geht beim Genuss jeder Zigarette wertvolle Arbeitszeit verloren. Und wie sieht es mit dem Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz aus? Das Gesetz sieht vor, dass der Schutz der Gesundheit im Betrieb oberste Priorität ist. Wie genau dieser Gesundheitsschutz im Einzelfall ausgestaltet wird, kann per Betriebsvereinbarung oder durch eine Anweisung durch den Arbeitgeber festgelegt werden. Es gilt dabei, sowohl den Interessen der Nichtraucher gerecht zu werden und gleichzeitig auch die Rechte der rauchenden Mitarbeiter zu beachten.

Fachanwalt.de-Tipp: Wurden verbindliche Regelungen in Bezug auf das Rauchen am Arbeitsplatz getroffen, sind alle Mitarbeiter dazu angehalten, sich nach diesen zu richten!

Missachtung einer Dienstanweisung

Rechtlich zulässig ist es, dass der Arbeitgeber ein für das gesamte Unternehmen geltendes Rauchverbot verhängt. Sollte sich ein Mitarbeiter nicht an dieses Rauchverbot halten, riskiert er eine Abmahnung wegen Rauchen am Arbeitsplatz. Ignoriert er die Aufforderung, das Rauchen am Arbeitsplatz zu unterlassen, kann bei Wiederholung auch eine Kündigung ausgesprochen werden.

Durch den gesetzlich geregelten Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz, steht dem Arbeitgeber ein Direktionsrecht zu. Er entscheidet somit, ob sowie wann und wo geraucht werden darf. Entsprechende Regelungen dazu können schon im Arbeitsvertrag niedergeschrieben sein, der Arbeitgeber trifft eine Arbeitgeberanweisung oder es gibt eine entsprechende Betriebsvereinbarung. Denn wenn im Unternehmen ein Betriebsrat besteht, muss dieser der vom Arbeitnehmer gewählten Maßnahme zum Nichtraucherschutz zustimmen.  

Rauchen ohne Stempeln als Arbeitsbetrug

Prinzipiell ist zu sagen, dass es kein generelles Anrecht des Arbeitnehmers darauf gibt, während der Arbeitszeit rauchen zu dürfen. Es gelten die im Arbeitszeitgesetz genannten Pausen, darüber hinaus gehende Pausen zum Rauchen müssen vom Arbeitgeber nicht gewährt werden. Viele Arbeitgeber zeigen sich hier jedoch durchaus kulant. Möchte man nicht riskieren, abgemahnt zu werden, sollte die Arbeitszeit, die durch das Rauchen verlorengeht, jedoch nachgeholt werden.

Wichtig ist zudem, das Raucherpausen während der Arbeitszeit auch als solche deklariert werden. Andernfalls droht eine Abmahnung. Gibt es in dem jeweiligen Betrieb Stechuhren, sollte die Raucherpause durch das Nutzen der Stechuhr auch entsprechend angezeigt werden, ansonsten kann schnell der Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs im Raum stehen.

Raucher sollten sich bewusst sein, dass es einen Anspruch auf Raucherpausen nicht gibt. Der Arbeitgeber kann allein oder in Verbindung mit dem Betriebsrat entscheiden, ob Zigarettenpausen erlaubt werden. Wenn dem so ist, zählen diese Pausen nicht zur Arbeitszeit, sondern gelten als Freizeit. Dadurch ist es dem Arbeitgeber möglich zu verlangen, dass sich Mitarbeiter, die sich zum Rauchen von ihrem Arbeitsplatz entfernen, zuvor ausstempeln bzw. die Pausenzeit aufschreiben, da für diese Zeit kein Zahlungsanspruch besteht. Die entsprechende Zeit wird dann nachgearbeitet.

Fachanwalt.de-Tipp: Für den rauchenden Arbeitnehmer ist zudem wichtig zu wissen, dass er während der freiwillig gewährten Raucherpausen nicht versichert ist. Es besteht bei Unfällen, die während dieser Raucherpausen geschehen, kein Schutz über die Unfallversicherung.

Rauchen im Büro

Rauchen am Arbeitsplatz (© Gina Sanders / Fotolia.com)
Rauchen am Arbeitsplatz (© Gina Sanders / Fotolia.com)
Gerade im Winter wünschen sich viele Raucher, sie könnten ihre Zigarette direkt am Arbeitsplatz genießen, statt sich in die Kälte nach draußen begeben zu müssen. Daher ist fraglich, ob sie von ihrem Arbeitgeber verlangen können, am Arbeitsplatz rauchen zu dürfen. Hierzu lohnt ein Blick in § 5 der Arbeitsstättenverordnung, der den Nichtraucherschutz regelt: „Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind. Soweit erforderlich, hat der Arbeitgeber ein allgemeines oder auf einzelne Bereiche der Arbeitsstätte beschränktes Rauchverbot zu erlassen.“

Nichtraucher dürfen am Arbeitsplatz also nicht dem Rauch der anderen ausgesetzt sein. Oftmals werden daher spezielle Raucherräume eingerichtet oder Raucher müssen sich in die Raucherbereiche vor dem Gebäude begeben. Ein Anspruch auf das Rauchen im Büro besteht jedoch nicht.

Rauchen im Dienst- oder Firmenfahrzeug

Wird einem Mitarbeiter ein Firmenfahrzeug überlassen, stellt sich auch die Frage, ob er darin rauchen darf. Grundsätzlich gilt hier, dass entsprechende Vereinbarungen mit dem Chef zu treffen sind. Das Gesetz sieht lediglich vor, dass der Mitarbeiter das Fahrzeug schonend zu behandeln hat. Ob dazu auch gehört, das Fahrzeug frei von Tabakrauch zu halten, muss der Arbeitgeber festlegen. Sind entsprechende Regelungen getroffen, muss sich der Arbeitnehmer an diese auch halten. Beispielsweise kann es eine Dienstanweisung über die Benutzung von Dienstfahrzeugen geben. In dieser kann in einem Paragrafen auch das Rauchverbot im Dienstfahrzeug geregelt werden.

Muster einer Abmahnung wegen Rauchens

Soll ein renitenter Raucher abgemahnt werden, kann die Abmahnung nach folgendem Muster aufgebaut werden.

Name und Adresse des Arbeitgebers

 

Name und Adresse des Arbeitnehmers

                                                                                                                                                   

Ort, Datum


Abmahnung wegen Rauchens

 

Sehr geehrte/r Frau/Herr …,

 

mit Bedauern müssen wir feststellen, dass Sie gegen das bestehende Rauchverbot unseres Unternehmens verstoßen haben, als Sie am …. im Pausenraum eine Zigarette anzündeten. Beobachtet wurde der Vorfall durch Herrn …. .

Wir weisen Sie hiermit ausdrücklich auf Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten hin. Dazu gehört auch die Einhaltung des geltenden Rauchverbots. Verstehen Sie diese Abmahnung als Aufforderung dazu, sich künftig an diese Regelung zu halten und fortan die speziell ausgewiesenen Raucherbereiche vor dem Gebäude zu nutzen. Sollte es dennoch weiterhin zu arbeitsvertraglichen Pflichtverletzungen kommen, behalten wir uns weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen vor, zu denen auch eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses gehören kann.

Eine Kopie dieser Abmahnung wird Ihrer Personalakte beigelegt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

… (Unterschrift Arbeitgeber)


Unterschrift Arbeitnehmer: Bestätigung des Erhalts der Abmahnung

 

Sie können hier ein Muster einer Abmahnung wegen Rauchens als Word Dokument herunterladen

Rechtlicher Hinweis zu den Vorlagen: Bei dem kostenlosen Muster handelt es sich um ein unverbindliches Muster aus unserem Magazin. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Vorlage wird keine Gewähr übernommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die abrufbaren Muster nicht den zurzeit gültigen Gesetzen oder der aktuellen Rechtsprechung genügen. Die Nutzung erfolgt daher auf eigene Gefahr. Das unverbindliche Muster muss vor der Verwendung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater individuell überprüft und dem Einzelfall angepasst werden.

Reaktion auf eine Abmahnung

Hat ein Mitarbeiter eine Abmahnung wegen Rauchen am Arbeitsplatz erhalten, kann er deren Erhalt schriftlich bestätigen. Danach hat er üblicherweise die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Es ist immer ratsam, dem Vorgesetzten gegenüber eine ehrlich gemeinte Entschuldigung vorzubringen. Bei Zweifeln darüber, wie man sich im Fall einer Abmahnung verhalten soll und vor allem auch, wenn es sich um ungerechtfertigte Vorwürfe handelt, sollte ein Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzugezogen werden.




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