Praktikumszeugniszeugnis – einfache Formulierung mit Vorlage

Wenn sich das Praktikum dem Ende neigt, stellt sich auch die Frage nach dem Praktikumszeugnis, schließlich geht das berufliche Leben jetzt erst richtig los und ein gutes Zeugnis soll hier helfen, den Weg zu ebnen. Das Praktikumszeugnis ist daher ein wichtiger Nachweis für zukünftige Bewerbungen. Ebenso wie ein gewöhnlicher Arbeitnehmer, hat auch ein Praktikant einen Anspruch auf Ausstellung eines einfachen oder qualifizierten Zeugnisses.

Recht auf ein Praktikumszeugnis

Praktikanten gelten als Arbeitnehmer. In § 109 Gewerbeordnung heißt es in Absatz 1: „Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.“ Weiterhin führt Absatz 2 aus: „Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.“

Jeder Praktikant hat somit das Recht, sich ein einfaches Zeugnis ausstellen zu lassen, das als Nachweis für die eigenen Unterlagen dient. Wird das Zeugnis nicht automatisch ausgestellt, kann der Praktikant es schriftlich einfordern bei Beendigung des Praktikums. Praktikanten, deren Praktikumsgeber sich weigert, ein entsprechendes Zeugnis auszustellen, können sich somit auf § 109 GewO sowie auf § 630 BGB berufen.

Tätigkeitsbeschreibung im Praktikumszeugnis

Praktikumszeugnis (© Stockwerk-Fotodesign / fotolia.com)
Praktikumszeugnis (© Stockwerk-Fotodesign / fotolia.com)
Ein Praktikumszeugnis ist viel mehr als nur die bloße Auflistung der Aufgaben, die der Praktikant im Unternehmen geleistet hat. Es geht auch darum, dessen Persönlichkeit wiederzugeben und auf seine sozialen Kompetenzen einzugehen. Zu unterscheiden ist zwischen dem einfachen und qualifizierten Praktikumszeugnis.

  • Einfaches Praktikumszeugnis

Dieses ist die Basis-Variante mit Angaben darüber, wann, wo und wie lange der Praktikant in welchem Unternehmen tätig war und welche Tätigkeitsbereiche ihm übertragen wurden.

  • Qualifiziertes Praktikumszeugnis

Dieses ist die vorzugswürdige Variante. Hier wird nicht nur beschrieben, was der Praktikant geleistet hat, sondern auch, wie gut er den übertragenen Aufgaben nachgekommen ist. Ebenso gehören Angaben zur Teamfähigkeit und zum Engagement ins Zeugnis.

Das Praktikumszeugnis sollte also aus Aufgabenbeschreibung und Leistungsbeurteilung bestehen. Die Aufgabenbeschreibung gibt die Abteilungen in denen gearbeitet wurde sowie die jeweiligen Aufgabengebiete wieder. Was hat der Praktikant jeden Tag gemacht? An welchen Projekten war er beteiligt? Die Leistungsbeurteilung befasst sich hingegen mit den Fertig- und Fähigkeiten des Praktikanten. Hier geht es um fachliche und persönliche Kompetenzen wie:

  • Fachwissen
  • Auffassungsgabe
  • Selbstständigkeit
  • Belastbarkeit

Bewertung

Wie bereits aus § 109 Gewerbeordnung hervorgeht, muss das Praktikumszeugnis klar und verständlich formuliert sein und darf keine versteckten Bewertungen in den Formulierungen enthalten, die etwas anderes (Negatives) aussagen sollen, als das Geschriebene. Jedoch hat sich eine Zeugnissprache etabliert, zu der auch Geheimcodes gehören. Ein Praktikumszeugnis kann also mehr Informationen enthalten, als es auf den ersten Blick scheint.

So werden bestimmte Formulierungen im Zeugnis gleichgesetzt mit Schulnoten. Stehen Aussagen wie „stets zu unserer vollsten/größten/äußersten Zufriedenheit“ im Zeugnis, kann dies der Schulnote 1 gleichgestellt werden. Die Formulierung „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ entspricht hingegen einer 1-2. Der Satz „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ kann mit der 2 gleichgestellt werden und liest man einen Satz wie „zu unserer vollen Zufriedenheit/stets zu unserer Zufriedenheit“, handelt es sich um die Schulnote 3. Mit einer vier wird der Praktikant bewertet, wenn im Zeugnis steht „zu unserer Zufriedenheit“ und ließ sich der Arbeitgeber nur zu einem „insgesamt/im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ hinreißen, versteckt sich hier hinter die Note 5.

Ein gutes Praktikumszeugnis enthält zudem aktive Formulierungen. Finden sich eher passive Aussagen wie „Er/sie erledigte die Aufgaben, die ihm/ihr übertragen wurden“, weist dies auf eher mangelndes Engagement des Praktikanten hin. Besser sind aktive Formulierungen wie „E/sie übernahm“. Ein bekanntes Negativbeispiel für eine Bewertung in einem Arbeits- oder Praktikumszeugnis ist zudem der Satz „Er/Sie war stets bemüht“. Aber auch Sätze wie „Seine/Ihre Pünktlichkeit war anderen ein gutes Beispiel“, lassen den Praktikanten in keinem wirklich guten Licht erscheinen, da er anscheinend nicht durch mehr glänzen konnte als durch Pünktlichkeit (die generell selbstverständlich sein sollte).

Muster

Ein Praktikumszeugnis kann nach folgendem Muster aufgebaut sein und steht zur kostenlosen Nutzung bereit:

Name des Unternehmens

Praktikumszeugnis

Max Mustermann, geboren am 13. Mai 1999 in Berlin, hat vom 01.07.2018 bis zum 31.11.2018 als
Praktikant in unserem Unternehmen gearbeitet.

Wir sind als mittelständischer Betrieb für Tiefkühlware ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und
gehen auch unserer Verantwortung als Ausbildungsbetrieb nach. Unser Schwerpunkt liegt auf … (hier
wird eine kurze Unternehmensbeschreibung eingefügt).

Herr Mustermanns Aufgabenbereich setze sich zusammen aus:
- Warenkontrolle
- Bestellungen aufgeben
- Koordinierung von Auslieferungsfahrten zum Kunden
- Telefondienst im Kundenservice
- Besuchen von Messen
- Pflege der Social Media Kanäle

Herr Mustermann erfüllt sämtliche Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit. Es fiel ihm leicht, sich in Kürze in sämtliche Arbeitsbereiche einzuarbeiten und sich in das bestehende Team zu integrieren. Er zeigte ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Seine schnelle Auffassungsgabe ermöglichte es ihm, sich in Kürze die Kenntnisse für alle ihm übertragenen Aufgabenbereiche anzueignen.

Herr Mustermann zeigte sich während der Zeit in unserem Unternehmen stets sehr motiviert und belastbar. Im Umgang mit Kunden überzeugte er mit einem kompetenten und freundlichen Auftreten.

Sowohl die Vorgesetzten, als auch das Team schätzen Herrn Mustermann als zuverlässigen und teamfähigen Kollegen. Wir bedanken uns für die hervorragende Zusammenarbeit und wünschen Herrn Mustermann für seine persönliche und berufliche Zukunft alles Gute.

Ort, Datum / Unterschrift Praktikumsgeber
 

Sie können hier eine Vorlage für ein Praktikumszeugnis als Word-Dokument herunterladen

Rechtlicher Hinweis zu den Vorlagen: Bei dem kostenlosen Muster handelt es sich um ein unverbindliches Muster aus unserem Magazin. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Vorlage wird keine Gewähr übernommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die abrufbaren Muster nicht den zurzeit gültigen Gesetzen oder der aktuellen Rechtsprechung genügen. Die Nutzung erfolgt daher auf eigene Gefahr. Das unverbindliche Muster muss vor der Verwendung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater individuell überprüft und dem Einzelfall angepasst werden.

Kein Praktikumszeugnis erhalten?

Als Praktikant hat man einen Anspruch auf ein Praktikumszeugnis nach Beendigung des Praktikums. Das Zeugnis sollte innerhalb eines Jahres nach Beendigung des Praktikums eingefordert werden. Praktikanten können sich dem Praktikumsgeber gegenüber auf § 109 GewO sowie § 630 BGB berufen. Sofern es Probleme gibt, sollte im Zweifel ein Fachanwalt für Arbeitsrecht aufgesucht werden.

Fachanwalt.de-Tipp: Wichtig zu beachten ist, dass Arbeitgeber die Zeugnisse nicht immer automatisch aushändigen. Der Praktikant sollte also aktiv danach fragen.

Zu beachten ist zudem, dass für ein Pflicht- oder Schülerpraktikum kein detailliertes Zeugnis ausgestellt werden muss. Über diese Art Praktika wird meist nur ein einfacher Nachweis erstellt, dass der Praktikant das Praktikum erfüllt hat. Welche Voraussetzungen ein Praktikum erfüllen muss, damit ein Zeugnis erstellt werden muss, regeln § 26 Berufsbildungsgesetz sowie § 16 BBiG. So muss das Praktikum dem Zweck dienen, „berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu erwerben“. Das Bundesarbeitsgericht fordert zudem ein „Mindestmaß an Pflichtenbindung an den Betriebszweck“. Es muss insgesamt ein gewisser offizieller Rahmen gegeben sein.




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